„Nicht einsteigen“ reicht nicht – diese 3 Hinweise sind besser

„Nicht einsteigen“ reicht nicht – diese 3 Hinweise sind besser

Alle Züge fahren irgendwann einmal nach „Nicht einsteigen“. Manchmal werden aber nur einzelne Wagen oder Triebwagen abgestellt – der Rest fährt weiter. Dann braucht es klarere Anzeigen.

Wir zeigen drei Alternativen, die Fahrgästen wirklich weiterhelfen.

❌ Negativbeispiel: „Leer und verschlossen“

„Leer und Verschlossen“ – diese Information ist für den Fahrgast oft wenig hilfreich. Wo befindet sich der geöffnete Zugteil mit den Wagennummern 21-29? Nach rechts oder nach links?

Zuganzeige mit dem Hinweis „Leer und verschlossen“ an einem Wagen

✅ Alternative 1: „Vorne einsteigen“

Eine klare Richtung – das hilft!
Hier sagt die Anzeige genau, wo die nutzbaren Wagen stehen.

ÖBB-Fahrzeug mit Anzeige „Vorne einsteigen“

✅ Alternative 2: „Einstieg weiter vorn“

Zwei Triebwagen am Bahnsteig, aber nur einer fährt weiter. Die Anzeige am endenden Zugteil informiert klar: „Einstieg weiter vorn“.

✅ Alternative 3: „Bitte in die anderen Wagen einsteigen“

Noch direkter: Ein Pfeil und der Hinweis, dass es sich um einen Leerwagen handelt. So wird gleichzeitig „vorne“ und „hinten“ geschickt umgangen. Denn woher soll der Fahrgast wissen, in welche Richtung der Zug fährt?

Fazit:

Klare Hinweise direkt am Fahrzeug helfen – und sparen Nerven, Zeit und Verspätungen.

Fahrgastinformation bei Flügelzügen: Gute Beispiele aus drei Ländern

Fahrgastinformation bei Flügelzügen: Gute Beispiele aus drei Ländern

Flügelzüge sparen Trassen- und Personalkosten. Aber nur, wenn die Fahrgäste im richtigen Zugteil sitzen. Sonst wird die Direktverbindung schnell zum Umweg mit Frust.

Gute Fahrgastinformation ist der Schlüssel – und sie ist machbar.

Dominik Sommerer, Gründer der Disponentenschule, hat dazu einen Fachartikel in der Eisenbahn-Revue International veröffentlicht.

Hier gibt’s den Fachartikel als PDF zum Herunterladen

Dieser Beitrag zeigt Beispiele aus Deutschland, Dänemark und der Schweiz.

🇩🇪 Zwischen gut gemeint und gut gemacht – Beispiele aus Deutschland

Die DB InfraGO AG hat seit der Veröffentlichung des Artikels die Darstellung von Flügelzügen auf den Zugzielanzeigern auf dem Bahnsteig deutlich verbessert.

Zugzielanzeiger auf dem Bahnsteig

Die Zugteile werden inzwischen mit dem dazugehörigen Bahnsteigabschnitt dargestellt. Was jedoch noch nicht zuverlässig klappt: Die Züge halten oft nicht punktgenau im richtigen Abschnitt halten.

Hier der Zugzielanzeiger eines Flügelzuges in Nürnberg am 24. Juni 2014. Dank der Zugnummer finden auch Fahrgäste, die zu Zwischenstationen wollen, ihren Wagen:

Zugzielanzeiger mit Aufteilung eines Flügelzugs in zwei Zugteile am Bahnsteig

Dieser Zug besteht aus vier Zugteilen, wird also dreimal geteilt:

Zugzielanzeiger mit vier Zugteilen

Abfahrtspläne: besser mit Bahnsteigabschnitt

Angaben wie „vorderer“ oder „hinterer Zugteil“ auf dem Abfahrtsplan sind wenig hilfreich. Gerade bei Triebwagen ist schwer zu erkennen, wo vorne und hinten ist. Noch verwirrender wird es, wenn der Zug zwischen Ankunft und Abfahrt die Richtung wechselt – wie hier in Schweinfurt:

Nahverkehrsfahrplan mit Angabe 'vorderer Zugteil' und 'hinterer Zugteil'

Besser ist die Darstellung mit Bahnsteigabschnitten – wie hier beim Abfahrtsplan eines ICE in Nürnberg. Voraussetzung: Die Bahnsteige sind beschildert und die Züge halten exakt.

Abfahrtsfahrplan ICE mit Bahnsteigabschnitten

So macht’s die BOB: Farbcodes und Zielanzeigen

Bei der Bayerischen Oberlandbahn fahren ab München Hbf drei Zugteile gemeinsam los. In Holzkirchen und Schaftlach werden sie Richtung Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee getrennt.

Die Bilder stammen aus der Zeit, als noch Integral-Fahrzeuge im Einsatz waren. Diese wurden mittlerweile durch LINT-Fahrzeuge ersetzt.

Gleich zu Beginn des Bahnsteigs weist ein Schild auf die Zugzielanzeigen über den Türen hin:

Hinweisschild am Bahnsteig in München Hbf zur Nutzung der Zugzielanzeiger über den Türen

Am Bahnsteig zeigen Wagenstandsanzeiger, in welchem Abschnitt welcher Zugteil abfährt. Die farbige Unterteilung (blau, grün, rot) entspricht dem Liniennetz:

Ebenfalls hilfreich: Das Fahrziel steht direkt über der Einstiegstür – unübersehbar.
💡 Farbige LED-Zielanzeigen im Stil des Liniennetzes wären ein logischer nächster Schritt.

Zugtür mit Zielanzeige 'Lenggries'

Im Inneren des Fahrzeugs zeigt ein Liniennetzplan über jeder Tür die Zielrichtungen an:

Liniennetzplan im Fahrzeug mit drei farbigen Linien

🇨🇭 Die Schweiz zeigt, wie’s geht – klar und durchdacht

Bei der Berner Oberland-Bahn fahren ab Interlaken Ost zwei Zugteile gekuppelt. In Zweilütschinen werden sie getrennt – einer fährt nach Lauterbrunnen, der andere nach Grindelwald.

Auf dem Abfahrtsmonitor in Interlaken sehen Fahrgäste schon vor dem Einsteigen, dass die Züge in unterschiedlichen Bahnsteigabschnitten abfahren:

Abfahrtsmonitor der Berner Oberland-Bahn in Interlaken Ost mit Sektoren für Lauterbrunnen und Grindelwald

Das Leitsystem beginnt nicht erst am Bahnsteig – sondern schon in der Unterführung: Links geht es zu Sektor A (Zugteil Lauterbrunnen), rechts zu Sektor B (Zugteil Grindelwald).

🇩🇰 Flügelzüge ohne Fragezeichen – Dänemark macht’s vor

In Dänemark gibt es viele Flügelzüge – und die Fahrgastinformation funktioniert vorbildlich.

Sie beginnt nicht perfekt, endet aber beeindruckend klar.
Auf dem Abfahrtsmonitor im Hauptbahnhof Kopenhagen fehlt noch ein Hinweis darauf, dass der Zug nach Esbjerg und Odense aus zwei Zugteilen besteht und unterwegs geteilt wird:

Abfahrtsmonitor im Bahnhof Kopenhagen ohne Zugteil-Information

Auf der Treppe zum Bahnsteig wird es deutlich besser: Ein Übersichtsmonitor zeigt: Der Zugteil nach Esbjerg fährt in Sektor D ab, der nach Odense in Sektor E. An den Zugzielanzeigern der jeweiligen Abschnitte steht nur noch das, was wirklich relevant ist – inklusive Wagennummern und Zwischenhalten.

Auch am Fahrzeug selbst ist alles klar: Wagennummern stehen gut lesbar über den Türen. Sitzplatznummern sind ebenfalls groß und eindeutig angebracht – besonders hilfreich für Fahrgäste mit Reservierung.

✅ Fazit: Wer gut informiert, erspart Frust und Umwege

Flügelzüge brauchen mehr als automatische Kupplung – sie brauchen Kommunikation.
Wenn Fahrgäste wissen, wo sie einsteigen müssen, kommen sie pünktlich und entspannt an. Und Bahnunternehmen vermeiden Diskussionen, Beschwerden und schlechte Bewertungen.

Flügeln in Rekordzeit – so gelingt’s in unter 2 Minuten

Flügeln in Rekordzeit – so gelingt’s in unter 2 Minuten

Flügelzüge sind ein geniales Werkzeug, um Trassenkosten zu sparen und attraktive Direktverbindungen anzubieten. Doch ausgerechnet beim Kuppeln – also dem Zusammenführen der Zugteile – stockt es oft.

Während in Deutschland 5 bis 12 Minuten vergehen, schaffen es die Berner Oberland-Bahnen in unter zwei Minuten. Ihr Erfolgsrezept: smarte Gleisgeometrie und geschickte Signalisierung.

⏱️ Mehr Tempo beim Flügeln? Hier ist Ihr Werkzeugkasten

Im Fachartikel von Dominik Sommerer aus der Eisenbahn-Revue International lesen Sie:

  • Wo die Schwachstellen beim klassischen Verfahren liegen
  • Wie optimierte Bahnhofsstrukturen Zeitfresser eliminieren
  • Welche Signaltechnik schnelles Kuppeln möglich macht
  • Warum jede Minute zählt – für Betrieb, Fahrgäste und Wirtschaftlichkeit

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