Wie kann ich Disponent:in werden?

Der Beruf des Disponenten ist nicht als klassische Ausbildung zu lernen. Selbst in der Ausbildung als Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung wird die Eisenbahn nicht oder nur am Rande behandelt. Kein Wunder, dass Berufseinsteiger:innen oft nicht einmal Bahnhof verstehen und die ein oder andere Lücke in Bezug auf bahnbetriebliche Kenntnisse mitbringen.

Was gute Disponent:innen auszeichnet

Gewisse Dinge sollten Sie mitbringen, wenn Sie Disponent:in oder Betriebsplaner:in werden wollen. Sie müssen …

  • kommunikative und teilweise stressige Arbeit gut händeln können.
  • Freude an abwechslungsreichen und vielseitigen Tätigkeiten haben.
  • fähig sein, sowohl im Team zu arbeiten als auch eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen.
  • mit hoher Komplexität und schnellem Arbeitstempo umgehen können.

Und es gibt Wissen, das Sie erlernen und Kompetenzen, die Sie sich aneignen können, wie zum Beispiel:

  • fachliches Wissen über bahnbetriebliche Abläufe.
  • Umgang mit stressigen und belastenden Situationen.
  • geografische Kenntnisse.
  • bestimmte Sprachkenntnisse, dazu zählt auch „bahndeutsch“.

Beispiele:
  • Speditionskaufleute können oft sehr gut organisieren.
    Sie müssen jedoch lernen, wie Bahnbetrieb funktioniert, damit sie mit den Menschen in den Betriebsleitzentralen und Fahrplanbüros von DB Netz sowie Lokführer:innen auf Augenhöhe kommunizieren können und ernst genommen werden.
  • Lokführer:innen kennen sich im Bahnbetrieb sehr gut aus.
    Die früheren „Geradeaus-Fahrer:innen“ müssen jedoch lernen, wie sie die vielen Fäden zusammenhalten, Prioritäten setzen und richtig kommunizieren.

Warum sich eine professionelle Schulung von Disponenten lohnt

Die Einarbeitung von Disponent:innen findet bei vielen Bahnunternehmen rein unternehmensintern statt. Das funktioniert allerdings nur bedingt: Im stressigen Alltag einer Leitstelle fehlt es oft an Zeit, Ruhe und Lernstrukturen.

Vielfach sind Disponent:innen in der Einarbeitungsphase auf sich allein gestellt. Besonders von Quereinsteiger:innen werden viele Planungsfehler gemacht, die sich durch eine solide Basisschulung vermeiden lassen könnten.

Beispiel:

Der Disponent eines Bahnunternehmens hatte einem Kunden einen Transport ab Theisbergstegen angeboten, einem Gleisanschluss an der Strecke Landstuhl – Kusel. Der Güterzug sollte im dortigen Schotterwerk beladen und zum Empfänger gefahren werden. Der von ihm kalkulierte Preis war deutlich günstiger als der des Wettbewerbers und so hatte seine Arbeitgeberin den Auftrag erhalten.

Der Disponent plante Lok und Personal ein und bestellte bei DB Netz die Trasse.

Die Antwort von DB Netz kam prompt: Bei dem von ihm bestellten Fahrplan handle es sich um eine „besonders aufwendige Bearbeitung“ im Sinne der Netznutzungsbedingungen, für den eine Bearbeitungsfrist von vier Wochen gelten würde. Die Strecke sei mit signalisiertem Zugleitbetrieb ausgestattet und das bedürfe einer besonderen Form des Fahrplans.

Dazu kam: Eine Fahrt mit eingeschränkter Streckenkenntnis des Lokführers, wie sie sonst bei Einmalfahrten zulässig ist, war auf dieser Strecke entsprechend der örtlichen Richtlinien verboten. Zusätzlich mussten Triebfahrzeugführer:innen für die Strecke Landstuhl – Kusel über eine örtliche Prüfbescheinigung der DB Netz AG verfügen. Eine örtliche Einweisung und Prüfung des Lokführers waren kurzfristig jedoch nicht möglich.

Eine streckenkundige Person als Begleitung war ebenfalls nicht verfügbar, denn die Bahnlinie nach Kusel wurde nur von zwei Unternehmen befahren: von Nahverkehrszügen der TransRegio und von Güterzügen vom Wettbewerber DB Cargo. Und letzterer wollte den Transport natürlich lieber komplett durchführen und nicht nur einen Lotsen stellen …

Dem Disponenten blieb also nichts anderes übrig, als die Teilleistung zwischen dem nächsten Rangierbahnhof und Theisbergstegen an DB Cargo als Subunternehmer zu vergeben. DB Cargo war einen ganzen Tag lang mit der Beladung der Wagen beschäftigt, denn der Disponent hatte auch nicht die maximal fahrbare Zuglänge beachtet. Weil das Abstellgleis im Schotterwerk zu kurz war, musste der Zug in zwei Teilen dorthin gebracht und der jeweils andere Zugteil im Rangierbahnhof Einsiedlerhof zwischengeparkt werden.

Alles in allem war dieser Auftrag für das Unternehmen ein großes Verlustgeschäft.

Fazit

Es lohnt sich also auf jeden Fall, Zeit und Geld in eine solide Ausbildung der Mitarbeitenden zu investieren.

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